Meaningful Travel: Entdecke die Frauenkooperativen Marokkos

Wenn du durch die Souks von Marrakesch schlenderst, begegnen dir überall handgefertigte Produkte. Viele davon werden von Frauen hergestellt, doch diese Handwerkerinnen bleiben oft unsichtbar und erhalten nicht immer einen fairen Anteil am Einkommen. Mit dem Aufkommen von Frauenkooperativen in ganz Marokko beginnt sich das langsam zu ändern.

Wenn du durch die Souks von Marrakesch schlenderst, begegnen dir überall handgefertigte Produkte. Viele davon werden von Frauen hergestellt, doch diese Handwerkerinnen bleiben oft unsichtbar und erhalten nicht immer einen fairen Anteil am Einkommen. Mit dem Aufkommen von Frauenkooperativen in ganz Marokko beginnt sich das langsam zu ändern.

Die Souks von Marrakesch sind bekannt für kunsthandwerkliche Produkte wie handgewebte Teppiche, farbenfrohe Keramik und kleine Flaschen „flüssigen Goldes“ in Form von Arganöl. Viele Reisende bezahlen gerne für solche handgemachten Produkte als bleibendes Souvenir. Doch oft ist nicht klar, woher diese Produkte stammen oder wer sie hergestellt hat. Und genau diese Geschichte kann deiner Reise eine viel tiefere Bedeutung geben.

Der Aufstieg der Frauenkooperativen

Hier beginnt die Geschichte der Frauenkooperativen. Über ganz Marokko hinweg schließen sich Frauen zusammen, um traditionelles Handwerk in eine Einkommensquelle zu verwandeln. Nicht in den belebten Touristenzentren, sondern oft in Dörfern und Werkstätten abseits der großen Routen. Da die Lieferketten kürzer sind, bleibt ein größerer Teil des Einkommens direkt bei den Produzentinnen.

Viele dieser Kooperativen entstanden ab den 1990er-Jahren, als deutlich wurde, dass Frauen, besonders außerhalb des Tourismussektors, nur sehr begrenzten Zugang zu bezahlter Arbeit hatten. Nicht, weil ihnen Fähigkeit oder Ehrgeiz fehlten, sondern weil sie traditionell für Haushalt und Familie verantwortlich waren. In vielen Fällen waren marokkanische Frauen finanziell von ihren Partnern abhängig und hatten kaum Möglichkeiten, ein eigenes Einkommen zu erzielen. Mit dem Aufkommen der Frauenkooperativen begann sich das langsam zu verändern. Frauen, die sich diesen Kooperativen anschließen, erhalten Zugang zu Schulungen, arbeiten gemeinsam an Produktion und Verkauf und bauen Schritt für Schritt ihr eigenes Einkommen auf.

Fast 8.000 von Frauen geführte Kooperativen

Im Jahr 2005 erhielt diese Entwicklung einen wichtigen Schub durch die Einführung der Nationalen Initiative für menschliche Entwicklung, INDH, durch König Mohammed VI. Seitdem hat das Programm mehr als 22.000 Projekte unterstützt, darunter Tausende von Kooperativen im ganzen Land. Heute gibt es in Marokko über 60.000 Kooperativen, davon werden fast 8.000 vollständig von Frauen geführt. Insgesamt arbeiten mehr als 260.000 Frauen in Kooperativen, oft außerhalb der bekannten Touristengebiete.

Doch wie sieht es im Tourismussektor selbst aus? Auch dort sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert, ein Muster, das weltweit zu beobachten ist. In Rollen als Guides, Unternehmerinnen oder in Führungspositionen sind Frauen noch immer in der Minderheit, wie UN Tourism in „Equality in Tourism 2024“ zeigt. In Marokko bieten Frauenkooperativen eine Alternative: einen Raum, in dem Frauen unabhängig arbeiten und ein eigenes Einkommen aufbauen können. Und als Reisende kannst du sie oft besuchen, wenn du weißt, wo du suchen musst.

Die Geschichte hinter dem Produkt

Frauenkooperativen schaffen nicht nur Chancen, sie bewahren auch Handwerkstraditionen, die über Generationen weitergegeben wurden. Für viele Frauen ist diese Arbeit eine Quelle des Stolzes. Es sind Techniken, die sie von ihren Müttern und Großmüttern gelernt haben. Bevor eine Flasche Arganöl in den Verkauf gelangt, durchläuft sie einen aufwendigen Prozess. Die Nüsse werden von Hand geknackt, die Kerne geröstet und zu einer Paste gemahlen, bevor das Öl langsam gepresst wird. Diese Arbeit findet oft innerhalb der Kooperativen statt, wo Frauen eng zusammenarbeiten. Sie ist zeitaufwendig und vollständig manuell, und genau das macht das Öl so wertvoll. Für viele Frauen ist es ein wichtiger Teil ihres Alltags und eine Möglichkeit, Traditionen weiterzuführen.

Tradition versus Realität

Doch es gibt auch eine andere, komplexere Realität. Das Bild der Frauenkooperativen ist hoffnungsvoll, aber nicht alles ist so rosig, wie es scheint. Die Arbeit ist körperlich anstrengend und sehr zeitintensiv. Außerdem reicht das Einkommen oft nicht aus, um finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Ein Teil der Einnahmen erreicht die Frauen nicht, da viele Kooperativen auf Zwischenhändler angewiesen sind, um ihre Produkte zu verkaufen.

Auch die Zukunft ist nicht garantiert. Oft sind es ältere Frauen, die diese harte Arbeit leisten, während jüngere Generationen, wie auch anderswo auf der Welt, eher ein anderes Leben in der Stadt suchen. Dadurch gerät die Weitergabe von Wissen und Tradition zunehmend unter Druck. Frauenkooperativen bieten Chancen, Einkommen und Stolz, aber sie lösen nicht alles.

Wie du als Reisende einen Unterschied machen kannst

Da Produzentinnen nicht immer fair vom Verkauf handgefertigter Produkte profitieren, macht es einen Unterschied, wie und wo du kaufst. Diese Tipps helfen dir, bewusster zu reisen und gleichzeitig deine Reise bereichernder zu gestalten.

Wenn du eine Reise nach Marokko planst, können deine Entscheidungen – was du kaufst und wen du besuchst – einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zu einer besseren Zukunft für Frauen leisten. Doch vor allem sind es die Begegnungen mit den Frauen und ihren Geschichten, die deine Reise wirklich bedeutungsvoll machen.

Wir glauben an die Kraft des Reisens: daran, wie es dich bereichert und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Menschen haben kann, denen du unterwegs begegnest. Dieses Prinzip der Gegenseitigkeit treibt uns jeden Tag an. Die Reisebranche wird weltweit stark von Frauen getragen, doch sie erhalten noch nicht immer die Chancen, die sie verdienen. Deshalb bauen wir eine Marke auf, die zu bewusstem Reisen inspiriert und mehr Gleichberechtigung im Tourismus fördert:

Wir arbeiten daran, Frauen durch Reisen zu stärken.